1. Maßstab & Höhenlinien

 

Das Phänomen von Maßstäben wird anhand einer gedruckten Karte TK25 im Vergleich zur Darstellung verstanden:

 

Aufgabe im Thinking Classroom:

Zeichnet eine Verbindung von Kirche zum Gipfel 288m in der Karte von 8cm Länge  und übertragt das auf die Breite von 80cm des Whiteboards. 
Wie lang ist diese Strecke in 'echt', wenn 500m als Leiste auf der Karte abgebildet sind?

 

Die Gruppen entdecken die Übertragung der Draufsicht in die Seitenansicht, von 8 auf 80cm. Sie errechnen den Maßstab mit dem Ziel '1:x'.

 

 

Entdecken versus Instruktion

Die entdeckenden Arbeitsschritte müssen hier kleinteilig und als verständliche Herausforderung formuliert sein. Wenn einzelne Gruppen zu einem Ergebnis gelangen, kann es erklärt oder entdeckt und damit multipliziert werden. Betreuung aller durch die Lehrkraft sowie Präsentation im Gallery-Walk sind wichtig, ebenso Feedback über das Arbeitsverhalten.

 

3. Das Konzept des MultiAckers

2. Die Mathematik des Maßstabs

Beispiel aus Klasse 5
Ein Acker wird klimasicher - mit Mathe und Geografie

 

Der Acker bei Kronungen, den die FutureLab-Klassen mit AgroForst, AgriPhotovoltaik und Keyline-Design zum 'Multiacker' machen wollen, wird hier vermessen, in Maßstab gesetzt, als Modell gebaut und mit Lösungsideen der Kinder belegt.

 

Der Acker liegt am höchsten Ende einer Anhöhe, von der Starkregen über die Felder in den Bach 'Wern' gerät und dort Kronungen regelmäßig überflutet.

 

Die Maßnahmen sollen den Acker als Teil einer Freiflächen-PV-Anlage entlang der Autobahn befähigen, Wasser auf dem Feld zu halten, zu speichern und gezielt an Ort und Stelle wieder zu verteilen.

 

 

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Das Phänomen von Höhendarstellung wird durch die Übertragung der Höhenlinien in der Draufsicht in eine Diagramm-Darstellung im Querschnitt ('aufgeschnittene Torte') erarbeitet:

 

Eine Höhenskala mit sinnvollem Abstand wird am Rand eingezeichnet. Sodann werden die Schnittpunkte der roten Linie mit den Höhenlinien und -punkten in der Karte auf die Diagrammdarstellung übertragen. Es entsteht ein überhöhtes Profil.


Wichtig ist die Übertragung der Draufsicht mit Gesten/Händen in die Profilsichtdurch alle Schüler. Dabei wird gesprochen, welche Höhenlinien man gerade überquert.

Im Verständnis des Maßstabs stecken die mathematischen Konzepte des Dreisatzes/der Relation sowie des Aufteilens/der Division.

 

Kleinschrittig werden diese Konzepte im Raum und mit dem Körper erfahrbar gemacht.

 

Regeln und Formeln müssen durch alle Schüler in Deckung mit Erlebnis und Bild gebracht werden. 

Die Hanglage und die damit zusammenhängenden Probleme zu starker Sonneneinstrahlung sowie Wasserabflusses werden mit einem einfachen Modell in der Mitte des Raumes und dem Foto des Hanges besprochen.

 

Mit den Nachbarn diskutieren die Schüler Lösungen, die das Wasser 'im Hang' halten und den Boden vor Austrocknung und Abtragung schützen. Die Ergebnisse werden am  'Modell' in der Raummitte besprochen und gelegt. Nun können die Kinder mit ihren Partnern auf einer Karte mögliche Lösungen nach ihren Vorstellungen einzeichnen. Dabei wird klar:
- Wie ist der Maßstab der Karte?

- Wie groß ist ein Baum/ein PV-Modul, ...?

 

Die Lösungen werden gezeichnet, diskutiert und dokumentiert.

 

 

Training 1

Alle Schüler wiederholen am nächsten Tag mit Partner diese Denk-Kette mit Gesten, mit Legen von Steinen oder zumindest der Vorstellung davon sowie dem Sprechen der Vorgänge und richtigen mathematischen Nomenklatur. 

Training 2

Alle Schüler erstellen für sich eine Zeichnung aus dem Gedächtnis mit allen Bildern, Vorgängen und mathe-matischen Formeln.

 

> Retrieval Practice

 

4. Das Modell des MultiAckers

 

Nun kann ein gemeinsames Klassen-Modell erstellt oder arbeitsteilig können mehrere Modelle mit jeweils eigenen Lösungskonzepten erstellt werden. Eine praktikable Größe mit Maßstab ist zu definieren, Material zu wählen (Internet-Recherche), Bautechnik der Höheneinstellung zu wählen (Internet-Recherche) und dann kann es ans Werk gehen.

 

Hier ist das Modell mit abgeschliffenem Styrodur in Hangneigung gebracht und mit Gehölzreihen samt PV entlang der Höhenlinien versehen worden.

 

Im Maßstab 1:87 von HO-Eisenbahnen erstellen wir nun arbeitsteilig ein größeres und detaillierteres Modell, das das Konzept sichtbar macht und Grundlage für einen InfoFilm wird. Traktor und andere Modelle in HO können so integriert werden.

 

Zur Arbeitsteilung gibt es nun Umrechen- und Bastelaufgaben für Relief (Schichten nach Höhenstufen), Gräben und Retentionsbecken, Gehölz-Wahl und -Bau, Zaun mit Gehölz-Wahl und Bau, Ackerfruchtwahl und -Bau, Ständerkonstruktion mit PV, Regenrinnensystem etc..

 

Beispiele aus dem Fremdsprachunterricht
Englisch mit Körper und Raum

1. Vokabeln als bewegte Geschichte

2. Verbformen auf dem Balken

3. Zeiten zum Anfassen

"Einer sitzt bei WORK - ihm fällt der PENCIL runter, dass er ganz SAD wird. Er sieht seinen noch längeren RULER und sagt sich zufrieden I CAN!"

        Vokabeln als tote Liste

        Vokabeln als Feld mit Bild&Geste

            Vokabeln Kontext mit Erzählung

 

Die Vokabeln als Liste mit Übersetzung sind vom Kindergehirn kaum langfristig zu speichern. Sie werden hier an vielerlei Erlebnisebenen, die bereits im Neocortex abgespeichert sind, angedockt: Bilder, die möglichst an Buchstabenformen anknüpfen, Gesten, Geschichte, Mimik. Das narrative Clustern in einen Kontext am Ende ist besonders lernwirksam. Die Schüler sprechen lebendig mit Gestik und Mimik und sehen die Schreibweise der Vokabeln dabei vor ihren Augen.

 

Am besten erfinden die Kinder die Repräsentationen selbst und vollziehen sie lebendig im Retrieval Practice alle paar Tage. Es entsteht so nicht 'zu viel' Information, sondern zunächst isolierte Informationsfetzen werden sinnvoll eingebettet. 

I see
you see
he/she/it seeS

we see
you see
they see

 

Die Verbformen sind ebenfalls als bloße Lern-Liste nicht gehirngerecht eingebettet. Sie entsprechen ja in der Anwendung Kommuni-kationsperspektiven, die die Kinder schon seit 10 Jahren täglich praktizieren und trainieren: Mit einem 'du' reden, heißt jemanden in besonderer Weise ansehen und eine freundliche Geste in seine Richtung zu machen; über eine dritte Person zu sprechen, richtet den Blick auf das Gegenüber-Du, deutet aber gestisch und gedanklich auf jemand anderen. Das im Englischen nun nötige 'S' am Ende wird als gemein und deutlich gezischter Abschluss erlebbar.

Eine Schülern geht über den Balken und verteilt die sechs Formen auf den Gang, wobei sie mit Blick, Mimik und Gestik die jeweilige Kommunikations-Perspektive deutlich macht. Die Kinder links sind zweite Person, die rechts dritte Person.

Die englische Verlaufsform Present Progressive ('he is walking') ist für deutsche Kinder schwer von Present Tense ('he walks') zu unterscheiden.

 

Mit den Schülern fragen wir: Welches Bild, welche Szene entspricht spontan in deinem Kopf dem Phänomen, dass ich über etwas spreche, das gerade 'am Passieren' ist? Das ist der assoziative Kern dieser Zeitform, das, was das Gehirn bislang als Anknüpfungsmöglichkeit gespeichert hat: Ein schnelles Erwischen.

 

Daran schließt vielkanalig und aktiv das Training an: Bei Present Progressiv streckt man die Hand nach der Tätigkeit, die man im Moment einfangen will - die Hand steht für das nötige Hilfsverb - He is walking: das Suffix '-ing' ist das sinnliche Nachschwingen beim Zupacken.

 

 

      >

         > 

‘He doesn’t walk.’

 

Für die Verneinung 'He doesn't walk' wählen wir eine sinnstiftende Embodiment-Übersetzung, die die Verwendung des Hilfsverbes 'do' und daran angebunden das 'not' automatisiert: Die rechte Hand formt eine Tat-Faust schräg vor dem Oberkörper, die linke eine verneinende Handkante schräg verhindernd davor. Auch bei der Frage kann die 'Do'-Faust automatisiert gezeigt werden.

 

Die 3. Person Einzahl nutzt das 'gemein gezischte' 'S' in 'doeSn't'!

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   'He is walking'

 

 

      is 

 

 

 

 

      ing

 

 

 

 

4. Vom 'Machen' zum 'Lesen' - Embodiment schrittweise verschriftlichen

 

All diese Verkörperungen und Verankerungen in die aktuelle Erfahrungswelt der Schüler müssen zu voller Wirksamkeit vier BEDINGUNGEN erfüllen:

 

  1. Die Verkörperungen müssen eine möglichst starke Verbindung zur kommunikativen BEDEUTUNG des grammatikalischen Inhaltes haben.
  2. Es sollten möglichst alle an Kommunikation beteiligte KANÄLE genutzt werden: Mimik, Gestik, Embodiment, Raum, Deutung und Blick auf Adressaten und Gemeinte.
  3. Jedes Kind muss die sinnhafte Verkörperung immer wieder mit möglichst vielen Kanälen AKTIV bis zur Automatisierung praktizieren.
  4. Schrittweise wird die aktive Verkörperung zurückgefahren und immer mehr vorgestellt, bzw. innerlich gehört. Über dieses INNERE SIMULIEREN stärkt sich die Konsolidierung und der Bezug zur Schriftsprache.  Der ist bei herkömmlichen Lernsettings meist schon zu Beginn überdominant!

 

        Das lässt sich so schrittweise skizzieren:

 

 

Beispiel aus dem Biologiestudium
Erscheinungsformen von Algen

Entscheidend sind ...

 

1. ... die Momente des Chunking, das Informationsfetzen zu sinnvollen Clustern oder Kontexten bündelt. Die kann das Gehirn viel leichter behalten.

 

2. ... destabilisierende bzw. aktivierende Fragen, die vom Lernenden selbst kommen können oder KI-generiert sein mögen. Sie zwingen zu vernetzter und Perspektiv-offener Auseinandersetzung mit den unzähligen Fakten.

 

3. ... der Einbezug verschiedener Wahrnehmungs- und Aktivierungsebenen wie Gesten, Geschichten, Bilder, die vielschichtiger Anschluss an bisherige Erfahrungen schaffen - auch bei Erwachsenen!

 

4. ... sensibel und abwechslungsreich gestaltete Lernabläufe entlang der 'Switching Modes' mit Haltungs, Bewegungs- und Ortswechseln. 

 

5. ... immer wieder eingeplante Phasen von Abruf/Retrieval früherer Inhalte.

 

 

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